Ergonomischer Bürostuhl
Millionen von Arbeitnehmern arbeiten Tag für Tag in unbequemen, ungeeigneten und falsch eingestellten Bürostühlen. Zuweilen ist den Chefs die Optik der Büromöblierung wichtiger als das bequeme Sitzen. Zuweilen bestehen die Mitarbeiter darauf, einen bestimmten Bürostuhl zu haben, der eigentlich entgegen ihrer gesundheitlichen Erfordernisse konstruiert ist. In anderen Fällen übernimmt man vielleicht Mobiliar von einem Vorgänger und hat zu Beginn der Firmen-Neugründung schlichtweg nicht das Kapital frei, eine neue Möblierung anzudenken. Wie so oft, ist es aber häufig die Unkenntnis, die verhindert, dass ein ergonomischer Bürostuhl alle Probleme löst. Und Probleme gibt es, seit es Büros gibt. Die Zahl der Krankmeldungen wegen Rückenproblemen und Nackenverspannung ist Legende und seit Jahren Anlass zu Verbesserungsbemühungen und mahnenden Presseberichten.
Ein ergonomischer Bürostuhl muss nicht notgedrungen teurer sein. Er sollte hochwertig und funktionell sein, darf gerne gut aussehen und muss sinnvoll ausgesucht werden. Aber selbst wenn er teuer sein sollte, verhindert er ebenso teure und womöglich sogar teurere Arbeitsausfälle Ihrer Mitarbeiter. Die Frage ist immer: Von welcher Warte aus betrachtet man ein Problem? Beklagt man es, wenn und wann immer es eintritt - oder verhindert man sein Entstehen mit einer einmaligen Investition, die sich auf lange Sicht garantiert auszahlen wird? Ein ergonomischer Bürostuhl zeichnet sich als Minimum durch eine stützende Rückenlehne aus, die der Anatomie der Wirbelsäule nützliche Entlastung verschafft. Den Unterschied zwischen einer Rückenlehne am Billigstuhl und der ergonomisch konstruierten merkt man sofort. Wo immer man mit Rückenschmerzen aufsteht, läuft etwas falsch! Wer sich mit schmerzendem Rücken in einen ergonomischen Stuhl setzt, steht nach einer Weile ohne wieder auf! Wer diesen überraschenden Effekt einmal erlebt hat, braucht keine werblichen Überzeugungsstrategien mehr!
Zuweilen ist es auch sinnvoll, gar keine Rückenlehne am Bürostuhl zu haben. Ein ergonomischer Bürostuhl kann, muss aber keine Armlehnen haben. Viel wichtiger sind manchen Herstellern schwingende Bewegungen, die dem Rücken Entlastung und mehr Flexibilität verschaffen. Dynamisches Sitzen heißt hier das Zauberwort. Zu langes Stillsitzen führt unweigerlich zu chronischen Fehlhaltungen, schlechter Rückenhaltung und Verspannungen im Schultern, Armen, Rücken und Kopfhaut. Ein ergonomischer Bürostuhl kann diesen Beschwerden nicht nur vorbeugen - er lindert auch bereits bestehende Schmerzen. Ein ergonomischer Bürostuhl sorgt dafür, dass der Mitarbeiter selbst bei stundenlangem Sitzen an einem Schreibtisch oder Computer effizient und entspannt arbeiten kann. Noch besser wäre allerdings eine dem Menschen angepasste Arbeitsorganisation, die von vorne herein einseitige Tätigkeiten und mangelnde Mobilität ausschließt. Ein ergonomischer Bürostuhl müsste in diesem Sinne nur Teil eines ergonomischen Gesamtkonzeptes sein, mit dem man anstrengende Büroarbeit gesundheitsverträglicher gestalten könnte. Leider aber ist die Einsicht, dass gesundes und flexibles Sitzen und Arbeiten die Kreativität fördert und somit auch dem Geschäft nützt, noch nicht allzu weit verbreitet. In seine Mitarbeiter investiert man weiterhin nur das Nötigste - und manchmal nicht einmal das! Man spart an ergonomischen Tastaturen, ergonomischen Telefonhören, umweltverträglichen Faxgeräten, strahlungsarmen Bildschirmen, hochfahrbaren Stehtischen oder kippbaren Schreibtischen, weil sie erhebliche Investitionen bedeuten. Oft gönnt man sich solche Sitz- und Büromöbel nicht einmal als Chef!
Ein ergonomischer Bürostuhl nimmt auf die Individualität von Bedürfnissen und Notwendigkeiten Rücksicht und kann in verschiedene Richtungen bewegt oder eingestellt werden. Man kann meistens die Sitzhöhe manuell justieren, die Armlehnen verstellen oder abnehmen, die Neigung der Rückenlehne und deren Höhe anpassen. Federmechanismen machen ergonomische Bürostühle nach oben und unten weicher, um harte Stöße beim Hinsetzen und Aufstehen zu mindern. Zuweilen sorgen Duckgaspatronen oder hydraulische Vorrichtungen dafür, dass der Stuhl in seine Ausgangsstellung zurückfährt. Rollen und Gleiter verschaffen einem mehr Mobilität im Raum. Beispielsweise kann man sich nun zum seitlich stehenden Drucker drehen statt die Wirbelsäule durch eine Seitwärtsneigung zu krümmen. Nach hunderten solcher Krümmungen pro Tag hat man unweigerlich Verspannungen. Es ginge aber auch ohne! Man kann dank der Rollen oder Gleiter kurz zur Kollegin herüberrollen statt aufzustehen und ihr im Stehen etwas am Bildschirm zu zeigen. Dabei müsste man sich herabbeugen und würde die Rückenmuskulatur überdehnen, was anschließend bei genügend Zug durch die Klimaanlage Folgen zeitigen würde. Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, wie häufig am Tag sie Bewegungen machen, die orthopädisch nicht sinnvoll sind. Schlafen sie dann noch in einem Bett mit durchgelegener Matratze und treiben keinen Ausgleichssport, sind chronische Schmerzen vorprogrammiert und nirgends Erholung in Sicht!
Kleine, schwergewichtige oder große Menschen haben andere Wünsche an ihren Sitz als normal große. Nicht der Mensch muss sich an den Sitz anpassen, sondern es sollte genau umgekehrt sein! Manche Sitze haben im Fuß Kugelgelenke, die dem Stuhl erlauben, in gewissem Rahmen seitlich auszuschwingen. Nicht jedem gefallen die minimalen Schwingungen, aber manchem nützen sie. Solche Bewegungen trainieren die Muskeln des gesamten Körpers und fördern die natürliche Balance. Gewöhnungsbedürftig sind moderne ergonomische Sitze zuweilen schon, vor allem, wenn man erst nach Jahren den Bürostuhl wechselt - aber der Aufwand lohnt sich. Ob man auf einem Sattel sitzt oder in einem konventionellen Stuhlposter, ist letzlich egal. Wesentlich ist, dass die Sitzhaltung dadurch entscheidend verbessert wird. Sinnvoll wäre es, wenn alle Mitarbeiter eine gewisse Zeit lang probesitzen könnten und dann den Stuhl auswählen dürften, der ihnen am meisten zusagt. Zugegeben: Das ist in den meisten Firmen noch eine Utopie. Ganzheitlich denkende Firmenchefs bemühen sich aber bereits, einen finanzierbaren Mittelweg zu finden und das Beste in einheitlicher Austattung zu kaufen, was es am Markt gibt. Zuweilen kann man ja günstige Messe- oder Auslaufmodele oder gebrauchte Büroausstattungen kaufen.
Wer in seine Mitarbeiter investiert, wird entsprechende Arbeitsergebnisse und schwindende Ausfallstatistiken erwarten können. Sparen am falschen Ende hingegen lohnt sich auf Dauer nie. Machen Sie ergonomische Bürostühle also zu Ihrem Thema! Sie sind auf jeden Fall ein Gewinn.
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